Interview mit Muskelmacher – Simon Ulrich

Simon Ulrich hat viele tolle Beiträge, die mich bereichert und weitergebracht haben. Mit über 109.000 Followern allein bei Facebook und weiteren 200.000 auf YouTube ist Simon ganz gut dabei. Ich habe ihm einige kritische Fragen über Oberflächlichkeiten in der Fitnessbranche und auch über Fachwissen gestellt. Lies hierzu mehr im Interview.

Simon, könntest du dich den Lesern kurz vorstellen?

Ich bin Simon Ulrich, 31 Jahre und in Social Media als „Muskelmacher“ bekannt. Vor knapp fünf Jahren habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht und ein Fitness Unternehmen gegründet. Ich verkaufe all das, was das Sportlerherz glücklich macht. Zusammen mit meinem Team habe ich es geschafft den Markt für Sportnahrung wieder in Sportlerhände zu nehmen. Bei uns im Muskelmacher Shop trägt niemand Hemd und Krawatte. Auf jeden Fall habe ich meine Traumberuf gefunden.

Wie kam es dazu, dass du mit dem Bodybuilding angefangen hast? Was war der Auslöser und wie lange bist du schon dabei?

Wenn ich mich zurückerinnere, haben mich Muskeln schon als Kind fasziniert. Für Filme und Serien wie „Popeye“, „He-Man“ und „Terminator“ habe ich mich schon in meiner Kindheit begeistert. Als ich in die Pubertät kam, merkte ich dass ich im Vergleich zu Gleichaltrigen schmächtiger war. Da ich im Fußball und Basketball talentfrei war, suchte ich nach einer Sportart die mich voranbringt. Das Bodybuilding mache ich seit nunmehr 15 Jahren. Nonstop. Den Spaß und die Begeisterung für mein Training und meine Ernährung habe ich nie verloren.

Wie hast du dir all das Wissen angeeignet, dass du deinen Followern übermittelst? Hast du da bestimmte Quellen?

Ich lese gerne Bücher und befasse mich hin und wieder auch mit Studien. Das meiste Wissen bringt die Erfahrung. Im Laufe meiner Sportlerkarriere habe ich viel gelernt und als Coach über 2000 Sportler begleitet. Dieses Wissen gebe ich auf YouTube weiter.

Was ist deine Motivation bzw. wie motivierst du dich, wenn du mal keine Lust auf das Training hast?

Das Thema Motivation ist im Bodybuilding der heilige Gral. Nur wenn du Tag für Tag und Woche für Woche am Ball bleibst, kannst du Muskeln aufbauen. Motivation muss von Innen kommen. Den größten Fehler den junge Sportler machen ist, die Motivation außerhalb der eigenen Person zu suchen. Das geht nicht lange gut. Wenn du dir auf YouTube ein cooles Fitnessvideo anschaust, packt dich vielleicht die Trainingslust und du schwingst du dich von der Couch auf ins Fitnessstudio. Das funktioniert auch bei mir ganz gut. Bloß diese Art der Motivation nutzt sich leider schnell ab. Am Ende zählt, dass du bereit bist für deine Ziele zu kämpfen und Spaß am Training findest.

Die Fitness-Branche boomt. Viele möchten schön und definiert aussehen. Doch die Realität sieht oft anders aus. Häufig werden die Follower der ganzen Fitness-Blogger eher durch die durchtrainierten Bodys demotiviert, da sie selbst evtl. aus welchen Gründen auch immer nicht erreichen können. Es kann sein, dass sie täglich Überstunden machen müssen, studieren, durch die Familie nur wenig Zeit für Sport bleibt und und und… Und es entsteht der Eindruck „Du musst mehr tun und mehr, ansonsten bringst du es nicht.“

Wie stehst du zu der Szene und wie würdest den Lesern raten damit umzugehen?

Die Fitness Industrie ist eine Scheinwelt. Das war sie schon immer und das wird sie wohl immer sein. Menschen mögen es vielleicht sogar diese Illusionen geboten zu bekommen: Muskulös, braun gebrannt und kerngesund. Mit der Wirklichkeit hat das nicht immer etwas zu tun.
Für mich ist Bodybuilding der tägliche Kampf gegen den inneren Schweinehund. Das trifft aber den Nagel auf den Kopf. Ich sehe nur mich und kämpfe darum meine eigenen Bestleistungen zu schlagen. Es geht mir nicht um den Vergleich mit anderen. Wer ist muskulöser, wer ist definierter und symmetrischer…. Jeder Mensch ist anders. Auf die Wettkampfbühne werde ich niemals gehen. Diese Einstellung schützt mich vor überzogenen Selbstansprüchen und davor zu Anabolika zu greifen. Mein Motto: Ich muss niemandem etwas beweisen – außer mir selbst!

Besonders die jungen Menschen werden durch die Szene ins Extreme beeinflusst. Das muss ich leider immer wieder feststellen. Ein definierter Körper ist schön und ein gesunder Körper sollte auch gefördert werden. Doch leider geraten durch das Schönheitsideal die inneren Werte in den Hintergrund. Die Oberflächlichkeit lässt grüßen. Was meinst du wie kann man dem vorbeugen?

Da stimme ich dir zu. Der Fitnesssport wird oft zu oberflächlich betrachtet. Nicht nur von Außenstehenden, sondern eben auch von einigen Sportlern selbst. Eitelkeiten und Selbstverliebtheit kommen eher bei Anfängern vor, die ihre ersten Erfolge im Spiegel sehen. Dicke Oberarme und breite Schultern gelten als männliche Schönheitsideale. Als Teenager war das ja auch mein Ziel. Im Laufe der Zeit geht es um viel mehr. Bodybuilding formt nicht nur den Körper sondern auch den Charakter.

Was ist deine Meinung zu Kreatin Kuren? Hälst du sie für notwendig? Und wenn ja, sind sie es wert, dass man die evtl. Nebenwirkungen bei einer hohen Dosierung, wie Verdauungsbeschwerden und Magenkrämpfe in Kauf nimmt? Ist demnach eine durchgehende Einnahme vorzuziehen? Hat die Einnahme keine Nachteile?

Ich verwende seit mehr als 10 Jahren Creatin und bin ein großer Fan davon. Als Flexitarier (ich esse nur selten Fleisch) bringt mich Creatin voran. Meine Muskeln werden praller, die Kraftleistung verbessert sich und meine Regenerationszeiten verkürzen sich. Ich verwende Creatin nach wie vor als Kur. Eine Dauereinnahme ist ebenso möglich.
Creatin ist seit weit über 30 Jahren erforscht. Es gibt Langzeitstudien die die Wirkung belegen und keine gesundheitlichen Nachteile zeigen. In seltenen Fällen bekommen Sportler nach der Creatineinnahme Durchfall oder Bauchschmerzen. Das kommt meist vor, wenn der Magen besonders empfindlich ist. Ich empfehle dann eine andere Creatinform und eine Einnahme vor dem Abendessen.

Man neigt dazu die These „Je schwerer die Gewichte umso mehr Wirkung und somit Muskelaufbau.“ umzusetzen. Was sagst du dazu und würdest du es in allen Bereichen empfehlen? Wo könnten sich enorme körperliche Schäden entwickeln, wenn man zu schwere Gewichte hebt oder aber auch die Übungen falsch ausführt?

Das ist eigentlich Quatsch. Ein Bodybuilder ist ja kein Strongman. Große Gewichte bewegen zu können, ist ein netter Nebeneffekt der im Laufe der Zeit von ganz alleine kommt. Große Gewichte sind für die Muskeln eine große Herausforderung, aber leider auch für Bänder und Gelenke eine große Belastung. Eine saubere Trainingstechnik ist mit schweren Gewichten schwerer umzusetzen. Für ungeübte Sportler steigt dann das Verletzungsrisiko.
Die meisten Bodybuilder trainieren stark nach Muskelgefühl im Bereich von 8-12 Wiederholungen. Die Gewichte müssen moderat schwer sein. Für den Muskelaufbau ist das ideal.

Der Support im Fitnessstudio ist nicht immer optimal und nicht so intensiv wie man es sich wünscht. Wenn es darum geht einen optimalen Trainingsplan zu erstellen, welche Vorgehensweise würdest du den Lesern raten?

Discounter-Fitnessstudios breiten sich rasant in ganz Deutschland aus. Die Qualität der Betreuung leidet darunter, sofern überhaupt erfahrenes und qualifiziertes Trainerpersonal im Studio gibt. Für Anfänger ist das ein Problem, da sie mit ihren Fragen und Zielen alleine dastehen. Unkorrigierte Trainingsfehler können zu Verletzungen führen und die Gelenke abnutzen. Ich rate jedem Fitness-Neuling einen gut trainierten Sportler im Fitnessstudio anzusprechen und um Hilfe zu bitten. Auch wenn es im ersten Moment viel Überwindung kostet den breitesten Pumper im ganzen Studio anzuquatschen. Sportler helfen Sportlern. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz im Fitnessstudio. Außerdem zeugt es von Anerkennung einen anderen Menschen um Hilfe zu fragen. Macht das einfach mal!
Vielleicht entsteht ja sogar eine neue Freundschaft im Fitnessstudio.

Was würdest du von dir aus den Lesern mit auf den Weg geben, die sich in der Fitnessszene bewegen?

Es gibt keinen Sport der Menschen so sehr verändern kann wie das Bodybuilding. Viel zu oft geht es um die äußerlichen Veränderungen. Der stärkste Muskel ist dein Wille. Und genau dieser Muskel wird von Training zu Training stärker. Genau hier liegt das wahre Geheimnis des Bodybuildings!

Vielen Dank Simon und weiterhin viel Erfolg!

Hier entlang geht es zu seinem Shop: Muskelmacher – Shop

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